Quicklinks

SRK

Domicil: Richtig ist, was gut tut

Interview mit Edgar Studer, Geschäftsleiter des Domicil Kompetenzzentrums Demenz Bethlehemacker.

Wie wichtig sind Leistungsausweise wie das Zertifikat Demenzbetreuung SRK für Sie als Arbeitgeber?
Edgar Studer: Domicil hat vier Kompetenzzentren für Menschen mit mittlerer bis schwerer Demenz. Das Thema Demenzbetreuung ist für uns ein sehr wichtiges. Pflegehelferinnen und Pflegehelfer entsprechen anteilsmässig einem grossen Anteil unseres Personals, deshalb ist für uns das Thema Aus- und Weiterbildung auch auf dieser Stufe zentral. Wir sind sehr froh, dass das SRK Kanton Bern dieses Zertifikat anbietet und damit zur hohen Pflegequalität beiträgt.

Hat der Erwerb des Zerfitikats auch Einfluss auf die Berufschancen?
Jemand, der die zehn Tage des Kurses Demenzbetreuung beim SRK absolviert hat, verfügt über ein viel vertiefteres Verständnis davon, was es bedeutet, Demenzbetroffene zu betreuen und zu pflegen. Deshalb sind Bewerbende mit Zertifikat bei Stellen in einem Kompetenzzentrum Demenz im Vorteil. Weil sie sich bereits ins Thema eingearbeitet haben, ist die Gefahr auch kleiner, dass sie sich etwas anderes vorgestellt haben und rasch wieder wechseln.

Wo sehen Sie in der Pflege und Betreuung von demenzerkrankten Personen die grössten Herausforderungen?
In erster Linie in der Sprache. Wie geht man mit Menschen um, die sich nicht mehr gut ausdrücken können? Hier ist die Validation sehr wichtig. Wenn das rationale Verstehen nachlässt, wird die emotionale Seite wichtiger, genau wie die Wertschätzung der Person, so wie sie ist. Weitere Aspekte sind Biografiearbeit oder basale Stimulation – Techniken, die für Pflegende, die im Demenzbereich arbeiten, hilfreich sind. Alle diese Themen nimmt das Zertifikat Demenzbetreuung SRK auf – das finde ich sehr wertvoll.

Wie geht Domicil mit dem Thema Weiterbildung um?
Weiterbildungen haben bei Domicil einen hohen Stellenwert, und wir bieten allen Mitarbeitenden jährlich ein umfassendes internes Kursangebot an. Zudem hat das Kompetenzzentrum Demenz das Weiterbildungsprogramm «Kompass D» erarbeitet. Dieses demenzspezifische Kursangebot steht auch externen Teilnehmenden offen.

Alle Mitarbeitenden, die im Domicil Kompetenzzentrum Demenz neu anfangen, durchlaufen ein auf sie zugeschnittenes internes Weiterbildungsprogramm.

Wie ist im Moment die Situation auf dem Arbeitsmarkt?
Finden Sie leicht geeignetes Personal?

Geeignete Pflegehelferinnen und Pflegehelfer sind etwas einfacher zu finden als diplomierte Pflegefachleute. Generell kann man sagen, dass Personen, die sich wirklich für das Thema Langzeitpflege interessieren, sehr gute Berufsaussichten haben. Dank unserer Spezialisierung auf Bewohnerinnen und Bewohner mit mittlerer bis schwerer Demenz erleben wir es immer wieder, dass sich Personen gezielt bei uns bewerben, weil sie in diesem Bereich arbeiten möchten. Der Ruf der Langzeitpflege hat sich in den letzten Jahren verbessert.

Wie sieht Ihr Konzept für die Pflege und Betreuung demenzerkrankter Personen aus – wo unterscheidet sich Ihr Haus von anderen?
Domicil Bethlehemacker versteht sich als emotionales Haus, dies aus dem Grund, weil sich unsere Bewohner immer stärker von ihrem Verstand entfernen. Die intuitiven, emotionalen Seiten des Menschen rücken in den Vordergrund. Wir haben beim Umbau des Hauses darauf geachtet, dass wir mit verschiedenen Lebenswelten die Sinne ansprechen können. Wir haben Sinnesoasen, einen Wellnessbereich mit Jacuzzi oder auch einen Thermospa, den man bekleidet benutzen kann. Daneben sind auch unsere Aussichtsfenster interessant, auf die wir wechselnde Bilder projizieren können.

Welche Erfahrungen machen Sie mit diesem Ansatz?
Sehr gute. Ich habe das Gefühl, dass unsere Bewohner angekommen sind. Wir versuchen, neue Wege zu gehen und dabei das zu tun, was unseren Bewohnern gut tut. Danach richten wir uns. Ein Beispiel: Kinder, aber auch Menschen mit Demenz lieben es, auf ihrem Stuhl hin- und herzuwippen. Dabei kann man aber rückwärts umkippen und sich verletzen. Was also tun? Weil wir unseren Bewohnern dieses sinnliche «Spiel» nicht nehmen wollten, haben wir einen Stuhl konstruiert, mit dem man gefahrlos wippen und sogar durchs Zimmer rollen kann. Wir denken daran, den Stuhl patentieren zu lassen.

Sie richten also den Fokus auf Innovation?
Es ist uns wichtig, neue Erkenntnisse aufzunehmen, deshalb arbeiten wir zum Beispiel auch mit Universitäten und Fachhochschulen zusammen. Aktuell sind wir als erste Institution in der Schweiz am Projekt «Music and Memory» beteiligt. Für jeden Bewohner werden wir zusammen mit den Angehörigen Lieblingsmusikstücke erfassen, die wir dann individuell einsetzen können, zum Beispiel als Hintergrundmusik im Thermospa. Musik hat gerade bei Demenzbetroffenen eine ungeheure Kraft und vermag auch da zu berühren, wo Worte nicht mehr wirken.

Alle Informationen zum Domicil Bethlehemacker finden sich hier:
www.bethlehemacker.domicilbern.ch