Interview
«Wir sind heute eine gestärkte Organisation»
Seit 12 Jahren ist Annalise Eggimann Präsidentin des SRK Kanton Bern. Zum Ende ihrer Amtszeit blickt sie auf grosse Veränderungen zurück – und wirft einen Blick in die Zukunft.
Was hat Sie motiviert, sich so viele Jahre zu engagieren?
Mein Amt beim SRK Kanton Bern hat mir stets Freude bereitet. Es war etwas anderes als meine berufliche Tätigkeit – ich konnte etwas zurückgeben. Zudem ist es immer spannend geblieben.
Was genau fanden Sie spannend?
Zu Beginn meiner Amtszeit war das SRK Kanton Bern eine andere Organisation als heute. Damals gab es sechs regionale Sektionen, die oft nicht am gleichen Strang zogen. Erst vereinzelte Dienste waren gemeinsam im Kantonalverband organisiert, darunter das Bildungsangebot. 2018 schlossen sich die Sektionen zusammen. Nachdem dies gelungen war, wollte ich dabeibleiben und die neue Organisation mitgestalten.
«Es ist immer spannend geblieben», sagt Annalise Eggimann über ihr 12-jähriges Engagement als Präsidentin.
Wie kam es zum Zusammenschluss?
Die nationale Rotkreuz-Organisation machte Druck, denn das SRK im Kanton Bern war eine schweizweite Ausnahme. Zunächst gab es von den Sektionen viel Widerstand, eine schwierige Situation. Schliesslich änderte ein Generationenwechsel in den Vorständen und Geschäftsleitungen die Dynamik. Nach umsichtiger Vorarbeit unterstützten alle den Zusammenschluss.
Welche Bilanz ziehen Sie heute?
Aus meiner Sicht ist der Zusammenschluss ein Erfolg. Wir sind heute eine gestärkte Organisation.
Wie hat sich die Vorstandsarbeit seither verändert?
Es hat neuen Elan gegeben: Wir reden heute weniger über uns selbst und mehr darüber, wohin wir wollen. Es war ein Meilenstein, als uns der Kanton Bern beauftragt hat, in zwei Regionen geflüchtete Menschen zu begleiten. Dass wir dabei sowohl den kantonalen Vorgaben als auch unseren humanitären Werten gerecht werden, ist immer wieder herausfordernd.
Was ist Ihnen wichtig in der Präsidiumsrolle?
Ein Vorstand soll kein abgehobenes, sondern ein interessiertes Gremium sein, auch wenn wir uns mit strategischen Fragen beschäftigen. Unsere Aufgabe besteht vor allem darin, die Geschäftsleitung zu unterstützen und zu beraten – ohne zu stark reinzureden. Dennoch scheint mir ein Auge für die tägliche Arbeit der Mitarbeitenden wichtig.
Was hat Ihnen bisher am meisten Freude bereitet?
Die vielen Kontakte: zu den Mitarbeitenden, zu meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, zu den Leuten im Rotkreuz-Verbund und natürlich zu den Mitgliedern des SRK Kanton Bern. Deshalb habe ich immer gerne an Mitgliederanlässen teilgenommen.
Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren?
Das SRK hat auf nationaler Ebene eher komplexe Strukturen und muss sich überlegen, wie es sich für die Zukunft aufstellen will. Im Kanton Bern haben wir unsere Hausaufgaben gemacht. Spannend ist, welche Rolle wir als starker Kantonalverband im Gesamtkonstrukt einnehmen.
Wie geht es für Sie nun weiter?
Für mich beginnt allgemein ein neues Kapitel, weil ich seit Kurzem pensioniert bin. Ich geniesse es, viele Freiheiten zu haben. Bisher habe ich die Zeit vor allem genutzt, um Spanisch zu lernen, zu reisen und zu lesen. Doch ich möchte weiter etwas zurückgeben.
Besuchen Sie aus diesem Grund derzeit den Lehrgang Pflegehelfende SRK?
Ja. Ich finde es wichtig, eine sinnstiftende Tätigkeit zu haben. Was genau aus der Ausbildung wird, steht noch nicht fest. Aber ich kann mir gut vorstellen, mich Teilzeit in der Pflege ein zubringen.
Zur Person
Annalise Eggimann lebt seit ihrer Kindheit im Kanton Bern und ist ausgebildete Juristin. Beruflich war sie in leitenden Positionen für den Schweizerischen Nationalfonds, das Bundesamt für Kommunikation und Innosuisse tätig. Seit letztem Jahr ist sie pensioniert.