Interview
Von Haustüre zu Haustüre: sinnstiftender Studentenjob
Janis Senn ist seit drei Jahren im Einsatz bei Tür-zu-Tür-Aktionen fürs SRK Kanton Bern. Er zeigt die Sonnen- und Schattenseiten des Studentenjobs auf und verrät, wie er unschlüssige Leute fürs SRK motiviert.
Janis, du bist seit 2023 unterwegs fürs SRK – weshalb?
Ich mag die vielen spannenden Begegnungen. Und wenn ich am Ende eines Tages diverse Leute zu einer Mitgliedschaft beim SRK motivieren konnte, sehe ich meinen Erfolg konkret. Mit diesem Job kann ich die Welt ein Stück weit besser machen. Bei den Einsätzen treffe ich andere junge Leute und lerne auch neue Regionen der Schweiz kennen.
Kannst du das etwas konkretisieren?
Für die Tür-zu-Tür-Aktionen bin ich für verschiedene Rotkreuz-Kantonalverbände in der ganzen Deutschschweiz unterwegs, jeweils für eine oder mehrere Wochen. Während dieser Zeit wohne ich mit anderen jungen Leuten in einer Art Wohngemeinschaft auf Zeit. Nach den Einsätzen kochen wir gemeinsam oder unternehmen etwas zusammen. Die flexibel planbare Tätigkeit hat sehr gut zu meinem BWL-Studium gepasst und macht mir auch nach meinem Studienabschluss Freude. Nebst den Einsätzen fürs SRK verfolge ich meine eigenen Projekte oder bin auf Reisen.
Was bringt es dir persönlich, fürs SRK tätig zu sein?
Ich lerne im Team zu arbeiten, überzeugend aufzutreten und nehme aus jedem Gespräch etwas mit. Dank der vielen Begegnungen erweitere ich meine Menschenkenntnisse. Und ich habe immer wieder schöne Erfolgserlebnisse, wenn ich Menschen fürs SRK begeistern kann.
Was sind die Schattenseiten?
Den ganzen Tag zu kommunizieren und sich ständig auf neue Situationen einzustellen, ist anstrengend. Abends ist die mentale Energie jeweils aufgebraucht (lacht). Manchmal möchte für längere Zeit niemand eine Mitgliedschaft abschliessen. Dann kommen schon Selbstzweifel auf. Man muss mit ablehnenden Reaktionen umgehen können. Doch zum Glück sind die allermeisten Leute an der Haustüre freundlich, auch wenn sie nicht interessiert sind.
Wie bereitest du dich auf die Einsätze vor?
Ich werde auf meine Einsätze jeweils gut vorbereitet. In den Schulungen übe ich verschiedene Gesprächssituationen und lerne, wie ich auf Vorbehalte eingehen kann. Gleichzeitig erhalte ich umfassende Einblicke in die Arbeit des SRK Kanton Bern. Das ist mir wichtig, denn ich möchte die Projekte und den Spirit der Organisation, die ich vertrete, gut kennen und authentisch vermitteln können.
Welche Begegnungen sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Ich bin schon spontan zu Kaffee und Kuchen eingeladen worden. Und an einem Sommerabend durfte ich sogar mal mit einer Familie Znacht essen. Allgemein spüre ich von vielen Menschen Dankbarkeit dem SRK gegenüber. Gewisse sind regelrechte Fans – vor allem vom Rotkreuz-Fahrdienst.
Wie gehst du mit Personen um, die kritisch eingestellt sind?
Ich versuche, einen Bezug zum SRK zu finden. Dafür zeige ich ihnen verschiedene Projekte auf. Viele kennen den SRK-Babysitter-Kurs oder haben eine Grossmutter, die den Rotkreuz-Notruf in Anspruch genommen hat. Einige überzeugt auch die Regionalität, also dass in der Nachbarschaft Hilfe angeboten wird. Und vielleicht benötigen sie ja selbst mal Hilfe. Doch ich möchte die Leute nicht überreden. Wenn sie nicht interessiert sind, beende ich das Gespräch.
Gibt es Faktoren, die den Erfolg des Gesprächs begünstigen?
Schönes und warmes Wetter hilft etwas. Wichtiger ist jedoch, dass die Leute Zeit haben. Ideal ist auch, wenn bei einem Paar beide zuhause sind. Was immer hilft, ist wenn ich selbst gut gelaunt bin. Das überträgt sich auf die Menschen an der Haustüre.