Interview

«Menschen mit Demenz zu betreuen, erfordert viel Einfühlungsvermögen»

Mischa Kammermann (28) arbeitet seit 2020 als Pflegehelfender. Dank der Weiterbildung «Zertifikat Demenzbetreuung SRK» fühlt er sich sicherer im Umgang mit Menschen mit Demenz. Weshalb er die Weiterbildung gestartet hat und wie er das Gelernte im Alltag anwendet, erzählt er im Interview.

Der gelernte Bäcker-Konditor Mischa Kammermann hat seine Grossväter in den Tod begleitet. Dies hat ihn motiviert, 2020 die Ausbildung «Pflegehelfender SRK» in Angriff zu nehmen. Seither arbeitet er in einem Pflegeheim in Thun.

Ausgleich zur Arbeit findet der zweifache Familienvater aktiv beim Wandern, mit der Familie und mit Freunden oder passiv beim Fussball, Hockey- und Footballspiel.

Weshalb interessieren Sie sich fürs Thema Demenz?

Im Pflegeheim, in dem ich arbeite, leiden etwa 70 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner an Demenz. Da bin ich täglich mit Fragen konfrontiert. Ich habe auch privat einen Bezug zum Thema, denn ich habe meine Grossväter in den Tod begleitet. Einer litt an schwerer Demenz.

Weshalb haben Sie das «Zertifikat Demenzbetreuung» SRK in Angriff genommen?

Bei meiner Arbeit im Pflegeheim möchte ich wissen, wie ich am besten mit Menschen mit Demenz umgehe. Nach der Grundausbildung als Pflegehelfender wollte ich mich zudem spezifisch weiterbilden.

Mischa Kammermann, Teilnehmer Zertifikat Demenzbetreuung SRK

Dank der Weiterbildung kann ich Menschen mit Demenz besser verstehen.

Mischa Kammermann
Teilnehmer Zertifikat Demenzbetreuung SRK

Was gefällt Ihnen speziell bei dieser Weiterbildung?

Der Unterricht ist auf Augenhöhe. Die Dozierenden kennen den Berufsalltag in Pflegeheimen. So nehmen sie konkrete Beispiele aus dem Alltag sehr gut in den Unterricht auf. Wir bekommen viele praktische Tipps zu einer Problemstellung – manchmal mithilfe eines Rollenspiels.

Was können Sie davon in Ihrem Pflegealltag anwenden und wie?

In habe ich gelernt, wie ich Fragen stellen muss. Menschen mit Demenz zu fragen «Was haben Sie heute zum Frühstück gegessen?», ist nicht sinnvoll. Denn sie können sich kaum daran erinnern. Besser ist, zu fragen: «Hat Ihnen das Frühstück geschmeckt?»

Menschen mit Demenz rufen oft nach ihren Eltern. Solche Situationen überforderten mich. Dank der Weiterbildung weiss ich, wie ich die Betroffenen am besten abhole. Wenn ich ihnen das Gefühl vermitteln kann, dass sie nicht alleine sind, hilft dies meistens.

Wie hat Sie diese Weiterbildung beruflich weitergebracht?

Dank spezifischen Kommunikationsmethoden kann ich Menschen mit Demenz besser zur Seite stehen. Ich gehe auch selbstbewusster durch den Berufsalltag und weiss, wie ich mich in schwierigen Situationen verhalten kann.

Wem würden Sie die Zertifikatsweiterbildung speziell weiterempfehlen?

Für Pflegehelfende, die ihre Ausbildung vor längerer Zeit absolviert haben, ist es eine gute Auffrischung. So lernen sie neue Methoden kennen, um besser auf Menschen mit Demenz eingehen zu können. Auch für Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause betreuen, ist es sinnvoll, einen Kurs zum Thema Demenz zu besuchen (Anm. der Redaktion: Für Angehörige/Freiwillige gibt es spezifische Demenz-Kurse).