Interview
Die Sprache als Schlüssel
In der Alugiesserei Metalyss arbeiten vier geflüchtete Männer, die durch das SRK Kanton Bern vermittelt wurden. Ein offenes Gespräch mit dem Inhaber Marcel Margot und der Personalverantwortlichen Nathaline Margot über Integration und deren Herausforderungen.
Was produziert Ihre Firma?
Marcel Margot: Als einziger Hersteller in der Schweiz verstehen wir uns auf das Giessen von Aluminium und das Schmieden von Alu und Messing – von 20 Gramm bis 250 Kilo, vom rohen bis zum einbaufertigen Gussteil. Bei uns ist bei den meisten Stücken viel Handarbeit drin.
Wo werden Mitarbeitende eingesetzt, die durch das SRK Kanton Bern vermittelt werden?
Marcel Margot: Meistens in der Gussnachbehandlung. Wenn ein Bauteil aus der Gussform gelöst wird, hat es rundum Restmaterial, das abgesägt und abgeschliffen werden muss. Für diese Nachbehandlung braucht es handwerkliches Geschick, ein gutes Auge und eine gute körperliche Verfassung.
Wie stellen Sie fest, ob jemand die nötigen Voraussetzungen dafür mitbringt?
Nathaline Margot: Bevor wir eine neue Person anstellen, führen wir Probearbeitstage durch. So sehen wir rasch, ob jemand die nötigen Voraussetzungen mitbringt. Das Probearbeiten dient auch den Arbeitnehmenden, um zu erfahren, ob es für sie der richtige Job ist. Das hat sich in der Vergangenheit gut bewährt.
Auf was kommt es sonst noch an?
Marcel Margot: Vor allem auf die Sprache. Wir produzieren viele unterschiedliche Gussstücke, bei uns macht niemand von Montag bis Freitag exakt dieselbe Arbeit. Das heisst, wir müssen immer wieder neue Arbeitsprozesse erklären. Dazu braucht es mindestens das Sprachniveau B1. Die Sprache ist auch wichtig, damit sich die Person ins Team eingliedern kann.
Was tun Sie, wenn jemand das nötige Sprachniveau nicht hat?
Nathaline Margot: Das Wichtigste für uns ist die Motivation: Wenn jemand den Willen hat, seine Sprachkenntnisse zu verbessern, so unterstützen wir das. Im Betrieb selbst können wir aber keine Sprachkenntnisse kompensieren oder Sprachkurse anbieten.
Beruflich Fuss fassen
Yaser Ali ist bei Metalyss unter anderem zuständig für das Lager. Er fand seine Anstellung mit Unterstützung des SRK Kanton Bern. Hier hilft er bei der Endkontrolle aus.
Im Moment beschäftigen Sie vier Personen mit Fluchthintergrund, die Ihnen das SRK Kanton Bern vermittelt hat. Wie reagierte das Team?
Marcel Margot: Bei uns wird nicht darauf geachtet, woher jemand kommt, sondern wie sich die Person ins Team integriert und wie sie arbeitet. Aber klar, das Team muss mitziehen. Kulturelle Unterschiede dürfen sein, doch es gelten dieselben Regeln für alle. Integration ist keine einseitige Angelegenheit – beide müssen aufeinander zugehen.
Wie beurteilen Sie das Angebot Arbeitsvermittlung und Coaching?
Nathaline Margot: Es ist wichtig, dass es Organisationen wie das Rote Kreuz gibt, die Geflüchtete bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen. Was aus unserer Sicht noch nicht gut funktioniert, ist der Informationsaustausch. Manchmal haben wir zudem den Eindruck, dass sich das Jobcoaching nicht primär am ersten Arbeitsmarkt orientiert, sondern immer noch von einem geschützten Rahmen ausgeht. Den können wir aber nicht bieten.
Manche Personen sind nur vorläufig aufgenommen, haben also das Risiko, irgendwann wieder ausreisen zu müssen. Ein Problem für Sie als Arbeitgeber?
Marcel Margot: Die Haltung zur Firma ist für uns entscheidender als der Niederlassungsausweis. Wenn Geflüchtete Jahre in der Schweiz verbringen, macht es doch Sinn, diese Menschen auch am Arbeitsprozess teilhaben zu lassen. Wer arbeitet, nimmt auch am gesellschaftlichen und sozialen Leben teil. Wir sehen immer wieder, wie Mitarbeitende, die bei uns in der Firma Fuss fassen, plötzlich viel offener werden und sich besser ins Leben hier integrieren können.
Metalyss
Metalyss AG wurde 1899 gegründet und ist ein mittelgrosser und unabhängiger Zulieferbetrieb. Die Firma mit Sitz in Lyss produziert rohe und einbaufertig bearbeitete Aluminiumguss- und Gesenkschmiede-Teile in allen Seriengrössen und hat rund 60 Mitarbeitende.