Interview

Lernen neu gedacht: Wie sich Weiterbildung verändert

Immer mehr Menschen möchten selbst entscheiden, wann und wo sie lernen. Mit Blended Learning reagiert das SRK Kanton Bern auf diesen Wandel und entwickelt seine Bildungsangebote weiter.

Wer sich heute weiterbilden möchte, sucht nicht nur nach dem passenden Thema, sondern auch nach dem passenden Lernformat. Mit Blended Learning kombiniert das SRK Kanton Bern Selbststudium mit Präsenzunterricht und schafft so mehr Flexibilität. Im Interview erklärt Liliane Weissmüller, Co Leiterin Lehrgänge und Weiterbildungen, weshalb sich Lernen verändert und welche Rolle persönliche Begegnungen dabei weiterhin spielen. 

 

Der klassische Unterricht zu festen Zeiten gerät zunehmend unter Druck. Warum? 

Viele Menschen möchten sich weiterbilden, müssen Weiterbildung aber gleichzeitig mit Beruf, Familie oder Betreuungsaufgaben vereinbaren. Deshalb wird es immer wichtiger, Lernangebote so zu gestalten, dass sie sich möglichst gut in unterschiedliche Lebenssituationen integrieren lassen. 

Liliane Weissmüller, Programmleiterin Lehrgang Pflegehelfende und Lehrgang Hauswirtschaft und Betreuung beim SRK Kanton Bern

Viele Menschen möchten sich weiterbilden, haben aber immer weniger Spielraum dafür im Alltag.

Liliane Weissmüller
Co-Leiterin Lehrgänge und Weiterbildungen

Wie reagiert das SRK Kanton Bern auf diese Entwicklung? 

Mit Blended Learning. Dieses Lernformat verbindet begleitetes Selbststudium mit Präsenzunterricht. Die Teilnehmenden erarbeiten bestimmte Inhalte selbstständig und nutzen die gemeinsamen Kurstage für praktische Lerninhalte und Übungen, Austausch und individuelle Fragen. 


Welche Vorteile bringt das für die Teilnehmenden? 

Viele schätzen die Flexibilität. Sie können einen Teil der Lerninhalte dann bearbeiten, wenn es in ihren Alltag passt – egal wo sie sind. Gleichzeitig sind Lehrgänge mit einem höheren Anteil an Selbststudium günstiger. Für viele Teilnehmende ist das ein wichtiger Faktor bei der Wahl einer Weiterbildung. 


Viele denken bei digitalem Lernen an weniger persönlichen Kontakt. Welche Erfahrungen machen Sie? 

Unsere Erfahrungen zeigen eher das Gegenteil. Je mehr Theorie im Selbststudium erarbeitet wird, desto wertvoller werden die gemeinsamen Präsenztage. Die Teilnehmenden kommen mit konkreten Fragen in den Unterricht und die gemeinsame Zeit kann gezielter genutzt werden. 

Liliane Weissmüller, Programmleiterin Lehrgang Pflegehelfende und Lehrgang Hauswirtschaft und Betreuung beim SRK Kanton Bern

Je mehr Theorie zu Hause gelernt wird, desto wertvoller werden die Begegnungen vor Ort.

Liliane Weissmüller
Co-Leiterin Lehrgänge und Weiterbildungen

Warum bleibt der Präsenzunterricht trotz so wichtig? 

Praktische Fertigkeiten lassen sich nicht allein am Bildschirm erlernen. Themen wie Mobilisation, Positionierung im Bett oder Körperpflege müssen geübt werden. Dafür stehen unseren Teilnehmenden moderne Schulungsräume, Pflegebetten und verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Auch der direkte Austausch spielt eine wichtige Rolle. 


Welche Rolle spielt dieser Austausch? 

Gerade bei pflegenden Angehörigen ist er besonders wertvoll. Viele profitieren von den Erfahrungen anderer und merken, dass sie mit ihren Fragen und Herausforderungen nicht allein sind.


Welche Erfahrungen haben Sie seit der Einführung des neuen Lernformats gemacht?

Die Nachfrage ist hoch und die ersten Rückmeldungen sind sehr positiv. Besonders geschätzt wird die Kombination aus Flexibilität, Praxis und Austausch. Gleichzeitig erhalten wir wertvolle Hinweise, wie wir die Lehrgänge weiterentwickeln können. 

Liliane Weissmüller, Programmleiterin Lehrgang Pflegehelfende und Lehrgang Hauswirtschaft und Betreuung beim SRK Kanton Bern

Flexibilität und persönlicher Austausch sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Sie ergänzen sich.

Liliane Weissmüller
Co-Leiterin Lehrgänge und Weiterbildungen

Wie sieht für Sie die Zukunft der Erwachsenenbildung aus? 

Menschen lernen unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Deshalb wird es künftig noch wichtiger, verschiedene Lernformate anzubieten. Die Zukunft liegt für mich nicht im Entweder oder, sondern in einer sinnvollen Kombination aus Flexibilität, Praxis und persönlicher Begleitung.