Erfahrungsbericht
Mit 22 stand ihr Leben still
Extreme Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und ein Alltag, der plötzlich nicht mehr funktionierte: Long Covid veränderte Lauras Loeligers Leben von einem Tag auf den anderen.
Mit 22 Jahren hatte Laura viele Pläne. Sie arbeitete, reiste gerne und verbrachte viel Zeit mit Freundinnen und Freunden und ihrer Familie. «Ich war immer unterwegs», erinnert sie sich. Nach ihrer zweiten Covid Erkrankung Ende 2022 fühlte sie sich zwar oft erschöpft, machte aber weiter. Sie funktionierte und hoffte, dass die Beschwerden von selbst verschwinden würden. Wenig später musste sie unerwartet am Blinddarm operiert werden. Danach erholte sie sich nicht mehr richtig. Die Erschöpfung wurde immer stärker.
Auf der Suche nach Antworten
Schliesslich wurde Laura krankgeschrieben. Monatelang suchte sie nach Erklärungen für ihre Beschwerden. Erst in einer Sprechstunde erhielt sie die Diagnose Long Covid mit Fatigue Syndrom.
Die Krankheit belastete Laura auch seelisch. Besonders schwer fiel es ihr, nach aussen zu zeigen, dass es ihr nicht gut ging. Viele Menschen können nicht nachvollziehen, wie stark Long Covid den Alltag einschränken kann. Aussagen wie «Du musst einfach positiv denken» oder «Wir sind doch alle mal müde» verletzen Laura noch heute.
Halt fand sie bei ihrer Familie, ihrem Partner sowie in verschiedenen Therapie-Settings wie zum Beispiel der Ergotherapie.
Verstehen, stabilisieren, aufbauen
In der Ergotherapie begann Laura, ihre Symptome und deren Auslöser besser zu verstehen. Welche Aktivitäten kosten Energie? Welche Situationen verschlechtern die Beschwerden? Und woran merkt sie, dass ihr Körper und Geist eine Pause braucht? Dieses Verständnis wurde zur Grundlage für den weiteren Weg.
Gemeinsam mit Ergotherapeutin Dana Ferigutti entwickelte sie einen Wochenplan mit Aktivitäten, Pausen und Erholungszeiten. Ziel war nicht, möglichst schnell wieder mehr zu leisten – zuerst musste Stabilität entstehen.
Viele kleine Schritte
Der Wiedereinstieg ins Berufsleben begann mit zwei Stunden Arbeit pro Woche – im Homeoffice. Von dort aus steigerte Laura ihr Pensum langsam und kontrolliert. Heute arbeitet sie wieder zu 80 Prozent im Spital Thun. Im August beginnt sie eine Weiterbildung. Ein voller Erfolg!
Hoffnung weitergeben
Heute weiss Laura, dass Gesundheit keine Selbstverständlichkeit ist. Und dass viele Betroffene ohne Unterstützung schnell an ihre Grenzen kommen. «Mir war vorher nicht bewusst, wie schnell man in einer solchen Situation vor dem Nichts stehen kann», sagt sie.
Besonders stolz ist Laura darauf, dass sie trotz aller Herausforderungen nie aufgegeben hat. Die Worte «Siempre hay esperanza» – Es gibt immer Hoffnung – haben sie durch diese Zeit begleitet. Heute trägt sie den Satz als Tattoo. Er erinnert sie an ihren schweren Weg und daran, dass es selbst in den schwierigsten Momenten Hoffnung gibt. Diese Botschaft möchte Laura auch anderen Betroffenen mitgeben.