Interview

Wenn Lernen Klick macht – Lernbegleitung, die stärkt

Marceline Stettler als Lernbegleiterin

Marceline Stettler begleitet angehende Pflegehelfende SRK als Lernbegleiterin. Die pensionierte Fachfrau Pflege kennt die Herausforderungen des Pflegeberufs und erklärt, warum Lernbegleitung so wichtig ist.

Marceline Stettler

‹Ah, jetzt verstehe ich› – wenn dieser Satz fällt, weiss ich: Es hat Klick gemacht.

Marceline Stettler
Lernbegleiterin im Lehrgang Pflegehelfende SRK

Vor rund fünfundzwanzig Jahren besuchte Marceline Stettler den Lehrgang Pflegehelfende SRK – der Beginn einer Laufbahn mit langjähriger Berufserfahrung in der Pflege. «Das erzähle ich meinen Teilnehmenden jeweils», sagt sie. «Ich weiss, was es bedeutet, an diesem Punkt zu stehen.» Aus der Pflegehelferin wurde eine Fachfrau Pflege mit spezifischen Weiterbildungen in Kinästhetik, Demenzpflege und palliativ Care: Sie arbeitete lange in einem Heim für Menschen mit Demenz und später bei der Spitex. Dort betreute sie auch Lernende. 

Wenn Erfahrung Zukunft formt

Mit 65 liess sich Marceline Stettler pensionieren. Doch loslassen konnte sie die Pflege nicht wirklich. «Ich habe gespürt, es zieht mich noch zu etwas Neuem», sagt sie. Neben gelegentlichen Aushilfen bei der Spitex fand sie über eine Freundin den Weg in die Lernbegleitung beim SRK Kanton Bern.

Heute unterstützt sie Teilnehmende dabei, Lerninhalte zu wiederholen, Sprache und Fachbegriffe zu verstehen und Situationen aus der Praxis zu reflektieren. «Viele haben Mühe mit der Fachsprache. Manchmal müssen sie Wörter wie Selbstbestimmung oder Dehydration zuerst googeln, um dem Lerninhalt überhaupt folgen zu können. Wenn jemand dann sagt: ‹Ah, jetzt verstehe ich›, ist das für mich der schönste Moment.»

Wichtig ist ihr auch, Grenzen aufzuzeigen: «Pflegehelfende haben andere Aufgaben als Pflegefachpersonen, doch beide Rollen sind wichtig und sie ergänzen sich gegenseitig. Pflege ist Teamarbeit.»

Wissen gibt Zuversicht

Für Marceline ist Lernbegleitung weit mehr als Nachhilfe: «Sie gibt den Teilnehmenden Zeit, Dinge nochmals anzuschauen, besser zu verstehen und sich sicher zu fühlen. Am schönsten ist es, wenn sie mit Zuversicht ins anschliessende Praktikum starten können.» Und Marceline Stettler weiss: Indem sie ihr Wissen weitergibt, leistet sie zudem einen Beitrag gegen den Pflegenotstand.