Engagement für Geflüchtete

«Wir sind Freunde geworden»

Im Rahmen des Freiwilligen-Programms «Eins zu Eins» treffen sich Odilo Abgottspon und Ayman Mostafa regelmässig. Der ehemalige Gymnasiallehrer hilft dem aus Syrien Geflüchteten bei der Sprache, bei Behördengängen und beim Verständnis von Land und Leuten. Davon profitieren beide.

Ayman Mostafa hat zum ersten Mal einen Film im Kino gesehen! Dieses Erlebnis hat ihm Odilo Abgottspon vor allem deshalb ermöglicht, um sein Hörverständnis in Deutsch zu verbessern. 

Herr Mostafa, wie hat Ihnen der Kinobesuch mit Herrn Abgottspon gefallen?

Ayman Mostafa: Es war mein erster Kinobesuch überhaupt, früher habe ich mich nie dafür interessiert. Es war ein spannender Action-Film, an den Titel kann ich mich nicht mehr erinnern.

Odilo Abgottspon: Wir gingen im Einkaufzentrum Westside ins Kino und suchten uns einfach einen Film aus. Wichtig war, dass Deutsch gesprochen wurde, es also ein Film ohne Untertitel war. Es ging ja vor allem darum, dass Ayman sein Hörverständnis in Deutsch verbessert.

Mostafa: Ja, es ist wichtig für mich, dass ich mein Deutsch immer weiter verbessere. Ich arbeite in einer Autogarage in Bern und habe dort auch viel mit Kundinnen und Kunden zu tun. Der Unterschied zwischen Hochdeutsch und Mundart macht mir noch Mühe, das sind zwei verschiedene Sprachen. Aber ich arbeite daran!

Abgottspon: Wir sitzen viel beim Take-Away-Imbiss am Berner Falkenplatz und sprechen miteinander. Der Imbiss wird übrigens von Aymans Bruder geführt. Ich habe am Gymnasium Deutsch unterrichtet und kann ihm natürlich auch bei der Grammatik helfen.

Wovon profitieren Sie sonst noch, Herr Mostafa?

Mostafa: Odilo hilft mir auch viel, wenn ich mit Behörden zu tun habe: auf welches Amt ich gehen kann, wo ich Informationen bekomme, wie ich ein Formular ausfüllen muss. Und er hilft mir, die Schweizerinnen und Schweizer besser zu verstehen, wie sie denken. Das ist auch wichtig. Bei uns in Syrien ist es zum Beispiel völlig normal, jemanden zu fragen, wie viel er verdient. Hier sollte man das eher nicht tun (lacht).

Freiwilliger sitzt zufrieden am Tisch.

Für mich sind die Treffen mit Ayman auch enorm spannend: Sie eröffnen mir ein neues kulturelles Fenster, ich lerne viel über Syrien und den Islam.

Odilo Abgottspon
Freiwilliger im Bereich Migration, Format «Eins zu Eins»
Mann mit Fluchterfahrung sitzt zufrieden am Tisch.

Odilo hilft mir, die Schweizerinnen und Schweizer besser zu verstehen.

Ayman Mostafa
aus Syrien

Warum haben Sie sich dazu entschieden, am «Eins zu Eins»-Programm teilzunehmen, Herr Abgottspon?

Abgottspon: Nach meiner Pensionierung wollte ich weiterhin etwas Sinnvolles machen und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Für mich sind die Treffen mit Ayman auch enorm spannend: Sie eröffnen mir ein neues kulturelles Fenster, ich lerne viel über Syrien und den Islam. Und Ayman ist ein ausgesprochen netter, humorvoller und motivierter Mensch. Er hat uns auch schon zuhause besucht und meiner Frau Rosen mitgebracht (lacht).

Mostafa: Ja, wir sind Freunde geworden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft, Herr Mostafa?

Mostafa: Ich habe eine Arbeit und eine Wohnung und kann alles selber bezahlen. Ich bin sehr zufrieden. Ich wünsche mir, dass meine Verlobte in die Schweiz einreisen kann. Sie hat ein Visum beantragt. Ich kannte sie schon, als ich noch in Syrien war, nun haben wir uns während vielen Skype-Gesprächen ineinander verliebt. Und ich hoffe, dass ich hier bald eine definitive Niederlassungsbewilligung erhalte. Natürlich würde ich irgendwann gerne wieder in mein Heimatland zurückgehen. Das wird aber noch lange dauern. Und die Freiheit, die es hier in der Schweiz gibt, will ich nie mehr aufgeben!

Freiwilliges Engagement für Geflüchtete

Begleiten Sie eine geflüchtete Person oder eine geflüchtete Familie «eins zu eins» bei der Integration. Leisten Sie wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe.